Zunft zu Safran, Krämer- und Handwerkerzunft seit 1400

Vier grandiose Tage in Zürich

  • Urban Henzirohs
  • 26. April 2016

 

Zum ersten nahm die ganze Zunft zu Safran am Sechseläuten teil. Es war ein aussergewöhnliches Erlebnis, das auch das schlechte Wetter nicht trüben konnte.

Das Sechseläuten startete bereits am Freitag mit der offiziellen Eröffnung in der Zunft zu Schmiden. Das Zentralkomitee der Zünfte Zürichs setzte gemeinsam mit unserem Zunftmeister Seppi Kreyenbühl und unserem Altzunftmeister und OKP Andreas Moser den Startschuss für vier aussergewöhnliche Tage. Auch die Zürcher Stadt- und Kantonsregierungen und alle Zürcher Zunftmeister liessen sich neben weiteren Gästen die Einladung nicht entgehen.

Nach einem kleinen Umzug mit Musik trafen die offiziellen Gäste auf dem Lindenhof ein. Dort warteten bereits rund 100 Zünftler, die sich bereits ein Bild der Ausstellungen machen konnten. Besonders die Zunftausstellung begeisterte die Zünftler: Hochwertig, interaktiv und sehr bildhaft wurde unsere Zunft der Öffentlichkeit dargestellt. Wir durften stolz sein.

Nach dem Nachtessen – Fritschipastete, versteht sich – staunten die Zürcher. Statt des musikalischen Standardprogramms installierten sich Dutzende rot gekleidete Musikerinnen und Musiker. Die Vikinger! Mit dem ersten Ton war der Bann gebrochen, so etwas gab es auf dem Lindenhof noch nie. Kaum jemand blieb sitzen, es wurde getanzt, geschunkelt und gehüpft. Das machte natürlich die übrigen Gäste draussen neugierig. Beim zweiten Set kochte das Zelt, Zugabe um Zugabe wurde gefordert, Zürich war begeistert.

Am Samstag übernahm dann Luzern Tourismus das Zepter auf dem Lindenhof. Ein abwechslungsreiches Musikprogramm sorgte für Stimmung. Unsere Ausstellung wurde aber dennoch von Zünftlern betreut, die den Besucherinnen und Besuchern unsere Zunft erklärten. Ein nicht selbstverständlicher Einsatz! Leider verhinderte auch am Samstag das schlechte Wetter einen grösseren Aufmarsch auf dem Lindenhof.

Der Sonntag gehörte den Kindern! Die Fritschi- und Fritschene-Kostüme sorgten bereits im Vorfeld für Furore. Piero Galbusera, Doris Widmer und das gesamte UK haben wirklich keine Mühen gescheut. Als die rund 60 Kinder auf dem Lindenhof stolz aufmarschierten, hatte mancher Zünftler Gänsehaut. Gestärkt mit Älplermagronen tobten sich die Fritschis dann auf dem Lindenhof noch aus, machten Fotos mit dem „echten“ Fritschipaar, bis es schliesslich von den Zürcher Chäfern begleitet zum Umzug ging. Das schlechte Wetter hielt die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht zurück – zu tausenden standen sie am Strassenrand und klatschten auch unseren Kindern zu. Unsere Fritschis und Fritschenes winkten stolz, verteilten Willisauer Ringli und hatten sichtlich Freude an ihrer Aufgabe. Nach dem Zvieri im Kongresshaus präsentierten sie auf dem Lindenhof stolz ihren Sechseläuten-Pin und die exklusive Trinkflasche (nicht zu kaufen, nur für Kinder!).

Nach dieser grandiosen Vorlage der Kinder durften die Zünftler am Montag natürlich in nichts nachstehen! Das Aufgebot war gewaltig, Zeugherr Markus Oetterli hatte aber alles im Griff. Pünktlich trafen die rund 280 Zünftler im Bereitstellungsraum Lindenhof ein und wurden mit einem Mittagessen gestärkt. Begleitet wurden sie von der Feldmusik und den Rüssguslern. Total nahmen 415 (!) Personen am Umzug teil. Nach Danksagungen, Unterhaltung und einem letzten Schluck Bier ging es in einen weiteren Bereitstellungsraum. Zum Glück hat der Zeugherr das angrenzende Pub informiert, hier wurde wohl der höchste Bierausschank in einer halben Stunde registriert. Denn jeder Zünftler wollte sich vor dem Auftritt stärken (und wohl auch trocken bleiben...).

 

 

 

 

 

Punkt 15.00 Uhr ging es los, der Tross von Feldmusik, Zunftgruppierungen, Sempacher Harst, Fritschifamilie und Rüssguslern setzte sich in Bewegung. Trotz des Regens liess sich die Zürcher Bevölkerung nicht die Laune verderben. Tausende sassen und standen am Strassenrand, eingepackt in Pellerinen und Wolldecken, bewaffnet mit Blumen. Die Zünftler genossen die Freude und Begeisterung des Publikums und freuten sich über die eine oder andere Blume. Einigen Zünftlern machte insbesondere der weibliche Überhang am Strassenrand sichtlich Eindruck.

 

 

 

 

 

 

 

 

Beim Böögg bot sich ein tristes Bild: Er trotzte alleine dem Regen, die Zünftler und Zuschauer verkrochen sich bis um 18.00 Uhr in die Beizen rund um den Sechseläutenplatz. Nach zahlreichen Fernsehinterviews entzündete unser Zunftmeister Seppi Kreyenbühl Punkt 18.00 Uhr den Holzstoss, dem Böögg ging es an den Kragen! Doch der Böögg wollte wohl möglichst viel Zeit mit uns Luzernern verbringen, geschlagene 43 Minuten hielt er es aus. Erschöpft vom Ausharren fiel der Böögg dann noch auf den Boden, bevor er dann wirklich explodierte. Das wird ein spezieller Sommer.

Zurück auf dem Lindenhof konnten sich die Umzugsteilnehmer trocknen und mit dem Znacht stärken, den Reden zuhören (was nicht alle Zünftler begriffen haben) und sich von den beiden Musiken begeistern lassen. Danach folgte ein weiteres Highlight und eine Exklusivität: Die Zunft zu Safran machte sich auf den Auszug! Auch wir besuchten angeführt von der Feldmusik drei Zünfte. Die Zunft zu Weggen, die Zunft Riesbach und die Zunft Hottingen erlebten, wie das nach Luzerner Art gemacht wird und mussten von den Sprechern manchen Spruch gefallen lassen. Nach alter Zürcher Tradition wird nicht weiter darauf eingegangen.

Auf dem Lindenhof erlebten dann die hart gesottenen Zünftler noch den Besuch der Zunft zur Waag und ihre Sprecher. Man darf sagen: Auch die Zürcher können es! Wer dann nicht mit dem letzten Car nach Luzern fuhr, zog durch die Gassen Zürichs, von Zunfthaus, zu Zunfthaus. Bis es hell wurde und das Wetter gut.

Wir dürfen auf vier aussergewöhnliche Tage in Zürich zurückblicken. Vier Tage, wie sie unsere Zunft wirklich noch nie erlebt hat. Der Dank gilt dem OK unter dem unermüdlichen OKP und Altzunftmeister Andreas Moser, unserem Zunftmeister Seppi Kreyenbühl, der selbst im OK mitwirkte, allen Zünftlern, die tatkräftig mitgeholfen und Hand angelegt haben, den Kindern und allen Formationen, die in Zürich musiziert haben. Und schlussendlich gilt der Dank allen Zünftlern, die nach Zürich mitkamen und das Sechseläuten 2016 zu einem unvergesslichen Anlass machten.

 

 

 

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